Historische Raddampfer am Terrassenufer in Dresden

Orte am Fluss

Zehn Städte zwischen Elbsandstein und Nordsee – jede mit eigenem Charakter, eigener Geschichte und eigenem Blick auf das Wasser.

Foto: Oliver Guhr / Unsplash

Von Dresden bis Cuxhaven

Die Elbe hat Städte reich gemacht, geprägt und manchmal auch überflutet. Unsere Auswahl folgt dem Fluss in Fließrichtung – von der Barockmetropole bis zum Seebad an der Mündung. Die Kilometerangaben entsprechen der Elberadweg-Kilometrierung ab Cuxhaven.

Dresden

Sachsen · Elbe-km 761

Die sächsische Landeshauptstadt ist der große Auftakt an der deutschen Elbe. Vom Terrassenufer blickt man auf die barocke Silhouette mit Frauenkirche, Hofkirche und Semperoper. Die Frauenkirche, 1726 bis 1743 nach Plänen von George Bähr erbaut, stürzte im Februar 1945 ein und wurde nach der Wende Stein für Stein wieder aufgebaut; die Weihe fand im Oktober 2005 statt. Die Brühlsche Terrasse, der „Balkon Europas“, führt direkt über dem Fluss entlang. Hier legen die historischen Raddampfer der Sächsischen Dampfschiffahrt an – die älteste und größte Raddampferflotte der Welt. Flussaufwärts spannt sich seit 1893 das „Blaue Wunder“, eine 280 Meter lange Stahlbrücke, zwischen Loschwitz und Blasewitz über die Elbe.

Meißen

Sachsen · Elbe-km 735

Über der Altstadt erhebt sich der Burgberg mit Albrechtsburg und Dom – ein Ensemble, das als eines der frühesten Schlossbauwerke Deutschlands gilt. In der Albrechtsburg richtete August der Starke 1710 die erste Porzellanmanufaktur Europas ein, nachdem Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus das Geheimnis des Hartporzellans entschlüsselt hatten. Die gekreuzten Schwerter, seit den 1720er Jahren Markenzeichen, gehören zu den ältesten Marken überhaupt. Die Manufaktur zog später in das Triebischtal um, wo sie bis heute produziert. Rund um Meißen beginnt zudem das sächsische Weinbaugebiet mit seinen Steillagen am Elbhang.

Torgau

Sachsen · zwischen Riesa und Wittenberg

Torgau war im 16. Jahrhundert eine der wichtigsten Residenzen der sächsischen Kurfürsten. Schloss Hartenfels gilt als größtes vollständig erhaltenes Schloss der Frührenaissance in Deutschland; seine Schlosskapelle wurde 1544 von Martin Luther geweiht und zählt zu den ersten protestantischen Kirchenbauten. In der Marienkirche ist Katharina von Bora, Luthers Ehefrau, begraben. Weltgeschichte schrieb Torgau am 25. April 1945: An der zerstörten Elbbrücke trafen amerikanische und sowjetische Soldaten aufeinander – der „Elbe Day“, der das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa einläutete. Heute ist die Stadt ein ruhiger Zwischenstopp mit geschlossener Altstadt.

Lutherstadt Wittenberg

Sachsen-Anhalt · Elbe-km 593

Von Wittenberg aus veränderte die Reformation Europa. Hier lehrte Martin Luther an der Universität, hier soll er 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche geschlagen haben. Schlosskirche, Stadtkirche St. Marien, das Lutherhaus und das Melanchthonhaus bilden gemeinsam mit den Luther-Stätten in Eisleben die UNESCO-Welterbestätte „Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg“, eingeschrieben 1996. Die Altstadt mit ihrem langen Marktplatz, dem Rathaus und den Denkmälern für Luther und Melanchthon ist kompakt und gut zu Fuß erkundbar. Die Elbe fließt südlich der Stadt vorbei; der Radweg quert sie hier über eine Brücke.

Dessau-Roßlau

Sachsen-Anhalt · Elbe-km 556

Kaum ein Ort am Fluss vereint so viel Welterbe auf engem Raum. Die Bauhausbauten – allen voran das Bauhausgebäude von Walter Gropius und die Meisterhäuser – stehen seit 1996 auf der UNESCO-Liste und machten Dessau in den 1920er Jahren zum Zentrum der Moderne. Wenige Kilometer östlich liegt das Gartenreich Dessau-Wörlitz, ein weitläufiger Landschaftsgarten der Aufklärung aus dem 18. Jahrhundert, seit 2000 Welterbe. Zwischen Elbe und Mulde erstrecken sich außerdem ausgedehnte Auenwälder, die zum Biosphärenreservat Mittelelbe gehören – Heimat des Elbebibers, der hier eine seiner letzten Rückzugsgebiete hatte.

Magdeburg

Sachsen-Anhalt · Elbe-km 478

Die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts ist eine der ältesten Städte Ostdeutschlands. Ihr Wahrzeichen ist der Dom St. Mauritius und St. Katharina, dessen Bau 1209 begann und 1520 vollendet wurde – der älteste gotische Dom Deutschlands. In ihm ruht Kaiser Otto der Große, der Magdeburg im 10. Jahrhundert zu seiner Lieblingsresidenz machte. Gegenüber steht die Grüne Zitadelle, das letzte Bauwerk von Friedensreich Hundertwasser. Die Elbe teilt sich in Magdeburg in mehrere Arme; am Ufer liegen Stadtpark, Elbauenpark und der Wissenschaftshafen. Nördlich der Stadt überquert die Elbe das Wasserstraßenkreuz, wo der Mittellandkanal auf einer Trogbrücke den Fluss überspannt.

Tangermünde

Sachsen-Anhalt · zwischen Magdeburg und Wittenberge

Kaiser Karl IV. machte Tangermünde im 14. Jahrhundert zu einer seiner bevorzugten Residenzen, und die Stadt gehörte im 15. Jahrhundert zu den wohlhabenden Mitgliedern der Hanse. Aus dieser Blütezeit stammen die Bauten der Backsteingotik: das Rathaus aus den 1430er Jahren mit seiner prachtvollen Schaufassade, die Stephanskirche und die fast vollständig erhaltene Stadtmauer mit Toren und Türmen. Ein Stadtbrand zerstörte 1617 große Teile der Stadt; der Wiederaufbau prägt bis heute das Bild mit Fachwerkhäusern entlang der Langen Straße. Von der Burg blickt man weit über die Elbe und die Mündung des Tanger.

Hamburg

Freie und Hansestadt Hamburg · Elbe-km 134

Mehr als 100 Kilometer vor der Nordsee ist die Elbe in Hamburg schon ein Gezeitenfluss, und der Hafen zählt zu den größten Europas. Die Speicherstadt, Ende des 19. Jahrhunderts als weltgrößter zusammenhängender Lagerhauskomplex auf Eichenpfählen errichtet, bildet zusammen mit dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus seit 2015 eine UNESCO-Welterbestätte. Daneben wächst die HafenCity, deren Wahrzeichen die Elbphilharmonie ist. Ein Spaziergang führt von den Landungsbrücken über den Fischmarkt bis zum Elbstrand in Övelgönne, wo Containerriesen in Sichtweite vorbeiziehen. Der Elberadweg verläuft hier auf beiden Ufern durch die Stadt.

Stade

Niedersachsen · Elbe-km 89

Die Hansestadt Stade liegt wenige Kilometer vom Elbufer entfernt an der Schwinge und war vom 13. bis ins 17. Jahrhundert ein bedeutendes Hansemitglied. Von 1645 bis 1712 stand die Stadt unter schwedischer Herrschaft; daran erinnert der Schwedenspeicher am alten Hansehafen, heute ein Museum. Der Hafen mit seinem hölzernen Tretkran, die Fachwerkhäuser und die Kirchen St. Cosmae und St. Wilhadi bilden eine der am besten erhaltenen Altstädte Norddeutschlands. Zwischen Hamburg und Stade durchquert der Elberadweg das Alte Land, das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Norddeutschlands, berühmt für seine Kirsch- und Apfelblüte im Frühjahr.

Cuxhaven

Niedersachsen · Elbe-km 0

An der Kugelbake, einem rund 30 Meter hohen hölzernen Seezeichen am Nordrand der Stadt, endet die Elbe offiziell und die Nordsee beginnt. Das Bauwerk ziert seit 1913 das Stadtwappen und ist zugleich der Endpunkt des Elberadwegs. Cuxhaven ist Nordseeheilbad, Fischereihafen und Ausgangspunkt für Wattwanderungen zur Insel Neuwerk, die zu Hamburg gehört. Vor der Küste liegt der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer. Von der Alten Liebe, einer hölzernen Aussichtsplattform am Hafen, beobachtet man die Schiffe, die von und nach Hamburg unterwegs sind – oft nur wenige hundert Meter entfernt.

Die Loschwitzer Brücke „Blaues Wunder“ in Dresden
Foto: Andreas Haubold / Unsplash

Brücken als Wahrzeichen

Das Blaue Wunder in Dresden ist das bekannteste Beispiel: Die 1893 eröffnete Loschwitzer Brücke war eine der ersten großen Stahlbrücken ohne Strompfeiler und galt damals als technisches Wunderwerk. Ihr Spitzname spielt auf die ursprünglich blaue Farbe an – und augenzwinkernd auf die Redewendung „sein blaues Wunder erleben“.

Weiter flussabwärts wird es mit Brücken dünn. Zwischen Dömitz und Lauenburg führt auf knapp 80 Kilometern keine über den Fluss; die Elbe war hier jahrzehntelang Grenze. Umso mehr Bedeutung haben die vielen Fähren, von denen Sie auf der Seite zum Elberadweg mehr erfahren.