Flusslandschaft an der Elbe

Der Elberadweg

Rund 1.300 Kilometer von der Quelle im Riesengebirge bis zur Nordsee. Der deutsche Abschnitt führt durch sieben Bundesländer – fast immer flach, meist am Wasser und erstaunlich abwechslungsreich.

Foto: Songyang / Unsplash

Ein Radfernweg mit Rückenwind

Der Elberadweg gehört seit Jahren zu den beliebtesten Radfernwegen Deutschlands. Kein Wunder: Er ist weitgehend eben, gut ausgeschildert und wechselt ständig die Kulisse – vom Sandsteingebirge über Barockstädte und Auenwälder bis zu Hafen und Wattenmeer.

Die gesamte Route beginnt offiziell in Špindlerův Mlýn im tschechischen Riesengebirge und endet in Cuxhaven. Etwa 380 bis 420 Kilometer entfallen auf Tschechien, der deutsche Teil misst – je nach Uferseite und gewählten Varianten – rund 800 bis 900 Kilometer. Von Bad Schandau bis Cuxhaven sind es nach der offiziellen Kilometrierung etwa 805 Kilometer. Zwischen Lutherstadt Wittenberg und Prag ist der Elberadweg zugleich Teil der EuroVelo-Route 7.

Wer die ganze Strecke in zwei Wochen fahren möchte, muss täglich rund 90 Kilometer bewältigen. Entspannter sind drei Wochen oder einzelne Abschnitte: Die Koordinierungsstelle Elberadweg nennt als Klassiker etwa Hamburg–Dresden (rund 627 km), Magdeburg–Dresden (283 km) oder Prag–Dresden (215 km).

Beide Ufer sind möglich. Auf weiten Strecken verläuft der Elberadweg sowohl links- als auch rechtselbisch. Die offiziellen Entfernungsangaben beziehen sich auf die linkselbische Route; die Kilometerzahlen auf dieser Seite sind daher grobe Orientierungswerte und können je nach Variante um einige Kilometer abweichen.

Sieben Etappen durch Deutschland

Unsere Einteilung orientiert sich an den großen Städten am Fluss. Die Entfernungen sind gerundet und aus der offiziellen Kilometrierung (Cuxhaven = km 0) abgeleitet.

Bad Schandau – Dresden

ca. 44 km

Der Einstieg in den deutschen Abschnitt führt durch das Elbsandsteingebirge. Zwischen Tafelbergen und Felsriffen windet sich die Route meist direkt am Ufer entlang, vorbei an Königstein, Kurort Rathen und Pirna.

  • Schluchten- und Felskulisse der Sächsischen Schweiz
  • Fähren verbinden beide Ufer, etwa in Rathen
  • Ab Pirna öffnet sich das Tal zum Dresdner Elbtalkessel

Dresden – Meißen – Riesa

ca. 55 km

Hinter dem Dresdner Terrassenufer folgen Elbwiesen, Schlösser und Weinhänge bei Radebeul. In Meißen grüßen Albrechtsburg und Dom, dann wird das Tal weiter und ländlicher.

  • Blaues Wunder und Elbschlösser in Dresden
  • Weinberge bei Radebeul und Meißen
  • Riesa als Industriestadt mit Hafen

Riesa – Torgau – Lutherstadt Wittenberg

ca. 115 km

Die Elbe verlässt Sachsen. In Torgau überragt Schloss Hartenfels den Fluss, am 25. April 1945 trafen sich hier amerikanische und sowjetische Soldaten. In Wittenberg beginnt die Welterbe-Dichte Sachsen-Anhalts.

  • Renaissanceschloss Hartenfels in Torgau
  • Elbauen, Deiche und viel Ruhe
  • Luthergedenkstätten in Wittenberg (UNESCO seit 1996)

Wittenberg – Dessau – Magdeburg

ca. 115 km

Zwischen Mulde- und Saalemündung liegt das Gartenreich Dessau-Wörlitz, ein Landschaftspark des 18. Jahrhunderts. Hinter Dessau durchquert der Weg das Biosphärenreservat Mittelelbe bis in die Landeshauptstadt.

  • Gartenreich Dessau-Wörlitz (UNESCO seit 2000)
  • Bauhausbauten in Dessau (UNESCO seit 1996)
  • Auenwälder rund um die Muldemündung

Magdeburg – Tangermünde – Wittenberge

ca. 150 km

Weite Horizonte, Störche auf den Dächern und Backsteingotik: Die Altmark zeigt sich ruhig und dünn besiedelt. Tangermünde gilt als eine der schönsten Kleinstädte am Fluss.

  • Magdeburger Dom, ältester gotischer Dom Deutschlands
  • Hansestadt Tangermünde mit Stadtmauer
  • Beginn des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe

Wittenberge – Lauenburg – Hamburg

ca. 195 km

Die Elbtalaue war jahrzehntelang Grenzgebiet; heute ist sie Naturraum ersten Ranges. Zwischen Dömitz und Lauenburg gibt es auf knapp 80 Kilometern keine Brücke – Fähren übernehmen den Wechsel der Uferseite.

  • Hitzacker und die Elbtalaue
  • Schifferstadt Lauenburg an der Staustufe Geesthacht
  • Einfahrt in die Hamburger Metropolregion

Hamburg – Stade – Cuxhaven

ca. 135 km

Ab Hamburg bestimmen Gezeiten den Fluss. Durch das Alte Land mit seinen Obstplantagen geht es nach Stade und weiter durch Marschland bis zur Kugelbake in Cuxhaven, wo die Elbe offiziell endet.

  • Hafen, Speicherstadt und Elbstrand in Hamburg
  • Hansestadt Stade mit altem Hafen
  • Fähre Glückstadt–Wischhafen über die Unterelbe
Blick über die Elbe
Foto: David Hertle / Unsplash

Beschaffenheit & Beschilderung

Der Elberadweg verläuft größtenteils auf asphaltierten Rad- und Wirtschaftswegen, auf Deichkronen und ruhigen Nebenstraßen. Einzelne Abschnitte, vor allem in den Auen, sind wassergebunden oder gepflastert. Nennenswerte Steigungen gibt es praktisch nur dort, wo der Weg kurz vom Fluss abweicht – etwa im Elbsandsteingebirge oder an einigen Deichrampen.

In Deutschland weisen grüne Haupt- und Zwischenwegweiser auf weißem Grund den Weg. Die Hauptwegweiser tragen das Elberadweg-Logo und nennen Entfernungen zu den nächsten Orten. In Sachsen-Anhalt helfen zusätzlich Bodenmarkierungen. In Tschechien folgt man der nationalen Radroute 2 mit schwarzen Wegweisern auf gelbem Hintergrund.

Wer sich unsicher ist, orientiert sich am einfachsten am Fluss selbst: Wo die Elbe ist, ist der Radweg nie weit.

Fähren: Seitenwechsel mit Tradition

Brücken sind an der Mittel- und Unterelbe selten. Zwischen Dömitz und Lauenburg zum Beispiel gibt es auf knapp 80 Kilometern keine einzige. Dafür übernehmen Fähren den Uferwechsel – ein fester Teil des Elberadweg-Erlebnisses.

Eine Besonderheit sind die Gierseilfähren: Sie hängen an einem langen Seil, das stromaufwärts verankert ist, und nutzen allein die Strömung des Flusses, um ans andere Ufer zu „gieren“. Ohne Motorantrieb, dafür mit viel Ruhe und Physik. Solche Fähren verkehren etwa in Coswig (Anhalt) und bei Magdeburg-Westerhüsen.

Wichtig für die Planung: Viele Fähren fahren saisonal (häufig von April bis Oktober) und nicht rund um die Uhr. Bei Hoch- oder Niedrigwasser kann der Betrieb ganz ausfallen – dann bleibt nur der Umweg über die nächste Brücke. Aktuelle Hinweise veröffentlicht die Koordinierungsstelle Elberadweg laufend auf ihrer Website.

Beste Reisezeit

Die klassische Saison reicht von Mai bis September. Der Frühsommer bietet lange Tage, blühende Auen und die Rückkehr der Störche; im Spätsommer sind Wasserstände oft niedrig, was Fähren einschränken, aber auch Sandbänke und Strände freilegen kann.

Die vorherrschende Windrichtung in Norddeutschland ist West bis Südwest. Wer von der Quelle Richtung Nordsee fährt, hat also eher Gegenwind, dafür aber die Fließrichtung des Flusses auf seiner Seite und die „dramatische“ Steigerung von Sandstein zu Meer. Viele Radreisende fahren deshalb bewusst flussabwärts.

Als Faustregel gelten rund 15 km/h Reisegeschwindigkeit – bei fünf Stunden reiner Fahrzeit also etwa 75 Kilometer pro Tag. Wer unterwegs Städte besichtigen möchte, plant besser kürzere Etappen.

Gesamtlänge
rund 1.300 km (Quelle bis Cuxhaven)
Deutschland
ca. 805 km ab Bad Schandau (linkselbisch)
Bundesländer
sieben
Beschilderung
grün auf weiß mit Elberadweg-Logo
Saison
Mai bis September