Historischer Raddampfer auf der Elbe

Flussgeschichte

Handelsweg, Grenze, Schicksalsstrom: Die Elbe hat Reiche verbunden, Staaten getrennt und Städte unter Wasser gesetzt. Eine Reise durch zwei Jahrhunderte am Fluss.

Foto: Wolfgang Weiser / Unsplash

Vom Zollstrom zur freien Schifffahrt

Jahrhundertelang war die Elbe eine der wichtigsten Handelsstraßen Mitteleuropas – und zugleich ein Flickenteppich aus Zollstellen. Jeder Landesherr am Ufer kassierte, Dutzende Male zwischen Böhmen und Hamburg.

Nach dem Wiener Kongress nahm 1819 in Dresden eine Kommission der Elbuferstaaten ihre Arbeit auf. Ergebnis war die Elbschifffahrtsakte vom 21. Juni 1821, die die zahlreichen Elbzölle abschaffen oder vereinheitlichen sollte und erstmals gemeinsame Regeln für die Schifffahrt festlegte. Eine Additionalakte folgte 1844. Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 und des Deutschen Reiches 1871 wurde die Kommission schließlich überflüssig – der Fluss lag nun fast vollständig in einem Staatsgebiet.

Die Dampfschifffahrt beschleunigte den Wandel. Am 8. Juli 1836 wurde in Dresden die Elbdampfschiffahrts-Gesellschaft gegründet; im Juli 1837 nahm sie mit der „Königin Maria“ den regulären Betrieb auf. Aus ihr ging die heutige Sächsische Dampfschiffahrt hervor, deren neun historische Raddampfer als älteste und größte Raddampferflotte der Welt gelten. Der älteste noch fahrende Dampfer, die „Stadt Wehlen“, wurde 1879 in Dienst gestellt.

Raddampfer der Sächsischen Dampfschiffahrt auf der Elbe
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Ein Fluss als Grenze

Von 1949 bis 1990 trennte die innerdeutsche Grenze zwei Staaten – und auf knapp 100 Kilometern zwischen Schnackenburg und Lauenburg verlief sie mitten auf der Elbe oder an ihrem Ufer. Der Fluss wurde zum Sperrgebiet: Auf der östlichen Seite entstanden Grenzzäune, Wachtürme und Kolonnenwege; Dörfer in der Nähe des Ufers wurden teils geräumt. Die Schifffahrt blieb möglich, war aber streng kontrolliert.

Diese jahrzehntelange Abschottung hatte eine unbeabsichtigte Folge: Die Auen blieben weitgehend unberührt, Wiesen wurden nicht entwässert, keine Industrie siedelte sich an. Nach der Grenzöffnung 1989 zeigte sich, dass entlang des ehemaligen Todesstreifens eine der wertvollsten Naturlandschaften Deutschlands überdauert hatte. Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe und das bundesweite „Grüne Band“ führen dieses Erbe heute fort. Das Grenzlandmuseum in Schnackenburg und erhaltene Grenztürme erinnern an die Teilung.

Hochwasser: 2002 und 2013

Zweimal binnen elf Jahren erlebte die Elbe Jahrhundertfluten. Beide Ereignisse veränderten den Umgang mit dem Fluss nachhaltig.

August 2002

Nach tagelangem Starkregen im Erzgebirge und in Böhmen stieg die Elbe im August 2002 auf nie gemessene Werte. In Dresden erreichte der Pegel am 17. August morgens 9,40 Meter – weit über dem bisherigen Rekord. Semperoper, Zwinger, Landtag und der Hauptbahnhof standen unter Wasser, Stadtteile wie Laubegast wurden überflutet. Auch Pirna, Meißen und zahlreiche Orte an den Nebenflüssen Mulde und Weißeritz waren schwer betroffen. In Sachsen starben 21 Menschen; der Gesamtschaden in Deutschland wurde auf rund 9 Milliarden Euro geschätzt.

Juni 2013

Im Juni 2013 traf es vor allem die Mittelelbe. Dresden blieb mit 8,76 Metern am 6. Juni knapp unter dem Stand von 2002, doch flussabwärts übertraf die Welle alle bekannten Marken: In Magdeburg stieg der Pegel am 9. Juni auf 7,48 Meter, rund 76 Zentimeter über 2002. Rund 23.000 Menschen in den östlichen Stadtteilen mussten ihre Wohnungen verlassen. In der Nacht zum 10. Juni brach bei Fischbeck nahe Tangermünde ein Deich; Dörfer und Felder im Elbe-Havel-Winkel standen wochenlang unter Wasser.

Hochwasserschutz heute. Seit 2002 wurden an der Elbe Milliarden in Deiche, mobile Schutzwände und Rückhalteflächen investiert. Zugleich hat sich die Strategie verändert: Statt den Fluss nur einzuengen, bekommt er an vielen Stellen durch Deichrückverlegungen wieder Raum. Im Nationalen Hochwasserschutzprogramm der Länder sind entlang der Elbe zahlreiche solcher Projekte vorgesehen, etwa bei Lenzen in Brandenburg, wo eine der größten Deichrückverlegungen Deutschlands bereits umgesetzt wurde. Länderübergreifende Vorhersagen und die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe koordinieren den Schutz vom Riesengebirge bis zur Nordsee.

Zeitleiste

  1. 1821

    ElbschifffahrtsakteDie Elbuferstaaten einigen sich am 21. Juni auf gemeinsame Regeln und den Abbau der Zollschranken.

  2. 1836

    Dampfschifffahrt in DresdenGründung der Elbdampfschiffahrts-Gesellschaft, Vorläuferin der Sächsischen Dampfschiffahrt.

  3. 1893

    Blaues WunderDie Loschwitzer Brücke in Dresden wird eröffnet – eine der ersten großen Stahlbrücken ohne Strompfeiler.

  4. 1945

    Elbe Day in TorgauAm 25. April treffen amerikanische und sowjetische Truppen an der Elbe aufeinander.

  5. 1949–1990

    GrenzflussAuf knapp 100 Kilometern trennt die Elbe die Bundesrepublik und die DDR.

  6. 1990

    Nationalpark Sächsische SchweizGründung am 1. Oktober im Rahmen des Nationalparkprogramms der DDR.

  7. 1997

    UNESCO-BiosphärenreservatAnerkennung der Flusslandschaft Elbe in fünf Bundesländern.

  8. 2002

    JahrhundertflutDresden misst 9,40 Meter; schwere Schäden entlang der Ober- und Mittelelbe.

  9. 2013

    Rekord in Magdeburg7,48 Meter am 9. Juni; Deichbruch bei Fischbeck.