Nationalpark Sächsische Schweiz
Wo die Elbe aus Böhmen nach Sachsen fließt, hat sie sich tief in die Kreidesandsteintafel eingeschnitten. Entstanden ist eine Landschaft aus Tafelbergen, Schluchten und freistehenden Felsnadeln, die Wanderer und Kletterer seit über 200 Jahren anzieht.
Der Nationalpark Sächsische Schweiz wurde am 1. Oktober 1990 im Rahmen des Nationalparkprogramms der DDR gegründet. Er umfasst rund 93,5 Quadratkilometer auf der rechten Elbseite in zwei getrennten Teilgebieten und setzt sich jenseits der Grenze im Nationalpark Böhmische Schweiz fort, der im Jahr 2000 eingerichtet wurde. Bekannteste Punkte sind die Bastei mit ihrer Felsbrücke über dem Elbtal, das Kirnitzschtal und die Schrammsteine.
Typisch für das Gebiet ist das Klima der Schluchten: In den tiefen, schattigen Gründen bleibt es kühl und feucht, während die exponierten Felsriffe starke Temperaturschwankungen erleben. So wachsen auf engem Raum Arten der Berg- und Tieflandregionen nebeneinander. In den Kernzonen des Nationalparks bleibt die Natur sich selbst überlassen; nach Borkenkäferbefall und Waldbränden der vergangenen Jahre entsteht hier ein neuer, strukturreicher Wald.
Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe
Zwischen Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein schützt ein länderübergreifendes UNESCO-Biosphärenreservat eine der letzten naturnahen Stromlandschaften Mitteleuropas.
1997 erkannte die UNESCO die „Flusslandschaft Elbe“ als Biosphärenreservat an. Es erstreckt sich über rund 400 Flusskilometer und etwa 280.000 Hektar in fünf Bundesländern: Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Damit gehört es zu den größten Biosphärenreservaten Deutschlands. Jedes Land verwaltet seinen Teil – etwa das Biosphärenreservat Mittelelbe in Sachsen-Anhalt oder die Niedersächsische Elbtalaue – unter einem gemeinsamen Rahmen.
Anders als ein Nationalpark ist ein Biosphärenreservat keine reine Schutzzone: Es soll zeigen, wie Menschen und Natur in einer Kulturlandschaft zusammenleben können. Deiche, Weiden, Dörfer und Obstwiesen gehören ebenso dazu wie Auwälder und Altarme. Die Elbe ist hier weitgehend frei fließend – ohne Staustufen zwischen der tschechischen Grenze und Geesthacht –, und genau das macht ihre Auen so wertvoll.
Was hier lebt
Elbebiber. Der Biber war in Deutschland um 1900 fast ausgerottet. Nur an der Mittelelbe bei Dessau überlebte eine Restpopulation von schätzungsweise unter 200 Tieren. Von dort aus hat sich die Art unter strengem Schutz wieder über weite Teile Deutschlands ausgebreitet; der „Elbebiber“ gilt heute als eigene Unterart des Europäischen Bibers und als Erfolgsgeschichte des Artenschutzes.
Weißstörche. Die feuchten Wiesen der Elbtalaue sind ideale Jagdgründe. Dörfer wie Rühstädt in der brandenburgischen Prignitz beherbergen jeden Sommer zahlreiche Storchenpaare auf ihren Dächern.
Seeadler, Kraniche, Fischotter. Auch sie profitieren von den ungestörten Altwässern und Auwäldern. Im Herbst und Frühjahr rasten zudem zehntausende nordische Gänse und Schwäne an der Elbe.
Auen und Auwälder
Eine Aue ist der Bereich, den ein Fluss bei Hochwasser überflutet. Hier wechseln sich Weichholzauen mit Weiden und Pappeln, die regelmäßig im Wasser stehen, und Hartholzauen mit Eichen, Eschen und Ulmen ab, die nur bei großen Fluten überschwemmt werden. Diese Wälder gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas – und zu den seltensten, denn die meisten Flüsse wurden längst begradigt und eingedeicht.
An der Mittelelbe, besonders zwischen Dessau und Magdeburg, sind noch größere zusammenhängende Hartholzauen erhalten. Sie speichern Wasser, bremsen Hochwasserwellen und filtern Nährstoffe. Deshalb gehört die Rückverlegung von Deichen, die den Auen wieder mehr Raum gibt, heute zu den wichtigsten Maßnahmen des Hochwasser- und Naturschutzes zugleich.
Tideelbe und Wattenmeer
Unterhalb der Staustufe Geesthacht, kurz vor Hamburg, verändert sich der Fluss grundlegend: Ebbe und Flut bestimmen von nun an den Wasserstand, zweimal täglich kehrt sich die Strömung um. Diese Tideelbe reicht auf über 140 Kilometern bis zur Mündung. Hier mischen sich Süß- und Salzwasser, es entstehen Brackwasserzonen, Süßwasserwatten und Röhrichte – Lebensräume, die weltweit selten sind.
Bei Cuxhaven mündet die Elbe in das Wattenmeer, das seit 2009 als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt ist. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, 1986 gegründet, reicht im Osten bis an die Außenelbe. Die Wattflächen vor Cuxhaven lassen sich bei Niedrigwasser zu Fuß oder mit dem Wattwagen bis zur Insel Neuwerk durchqueren – ein Spaziergang über den Meeresgrund, an dem die Elbe endet.